Alles Irdische ist vergänglich – und ist deshalb wert festgehalten zu werden.
Von einem französischen Choral des 17. Jahrhunderts ließ sich der Amerikaner Paul Moravec zu einem Parcours durch den Blockflötenwald inspirieren, die Griechin Marianthi Papalexandri-Alexandri schlägt sich in ihrem musikalischen Mahnmal durch das Dickicht der Geräusche. Dazu gibt es „letzte Worte“ von Anton Bruckner und Johann Sebastian Bach – die letzte Vokalkomposition des einen erklingt neben jenem Choral, der heute die unvollendet gebliebene Kunst der Fuge beschließt.
Vergänglich ist die Gegenwart besonders dann, wenn einem die Zukunft so nahe kommt.
„Die Luft mit ihren vier Kräften kommt im Atem und in der Vernunft zum Ausdruck. Sie dient ja dem lebendigen Hauch, der Seele im Menschen, weil sie ihn trägt und weil sie der Flügel für sein Schwingvermögen ist, und zwar jedes Mal dann, wenn der Mensch den Atem in sich einzieht und ihn wieder ausströmen lässt.“ { Hildegard von Bingen }
Dieses Programm steht ganz im Zeichen des Atmens. Klänge und Musik würde es ohne Luft ja gar nicht geben – das betrifft sowohl die Stimme, als auch Blasinstrumente.
Die Kluft zwischen Musik der Renaissance und zeitgenössischen Kompositionen scheint zwar auch in diesem Programm groß zu sein – doch gelingt es dem Quartett erneut den Zuhörer mit ihren Werken in den Bann zu ziehen – und das nicht durchs Atmen.
„Was nach der Stille am ehesten das Unsagbare ausdrückt ist die Musik.“ { Aldous Huxley/Sri Chinmoy }
Dieses Programm bietet eine feinfühlige Balance zwischen Musik, die innere Bilder oder auch Gemütszustände zu Klang werden lässt und Musik, die wiederum– mal als eine Art Gebet, mal als Landschaft, durch die man zu spazieren scheint – äußere Eindrücke in musikalische Klangwelten verwandelt. Die Grenzen zwischen Stille und Klang, Zeit und Raum lösen sich nahezu auf.
Ein mit Hochspannung geladenes Programm, in dem sich QNG in seiner Bühnenpräsenz mit theatralischen Elementen über die Konventionen eines klassischen Ensembles hinwegsetzt. Neben dem visuellen Aspekt wird das Klangspektrum der Blockflöte mit elektronischem Equipment sowohl erweitert, als auch entfremdet und auf diese Weise Hörgewohnheiten aufgebrochen. Gespielt werden vorrangig eigens für QNG komponierte Werke, deren Stilpalette von experimenteller Musik bis hin zur revolutionären U-Musik der neuen Generation reicht. Effekte erweiterter Spieltechniken werden zu Technobeats, das klassische Ensemble zur Girlband!
Die Liebe ist ein Thema, das zu allen Zeiten kreative Schaffensprozesse hervorbrachte und so ist die Handlung über und um die Liebe den ausgewählten Stücken dieses Programms gemein. Eine Schatzkammer an Liebesliedern unter der alten Musik ist die frankoflämische Vokalpolyphonie, eine Epoche die keineswegs ausschließlich Vokalmusik hervorbrachte. Dutzende vokale und instrumentale Bearbeitungen um das Liebeslied „De tous biens plaines“ oder das unglückliche Liebeslied „Fortuna desperata“ zeugen davon.
Es bedarf ein wenig Fantasie Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel, die beiden Antipoden der Barockmusik, zu einem fiktiven Gespräch zusammenzubringen. Lassen sie also die Spekulationen der Musikwissenschaft auf die Frage, warum sich die beiden großen Persönlichkeiten zu Lebzeiten nie begegnet sind, hinter sich und lauschen sie dem musikalischen Gespräch zweier Giganten. In meisterhafter Vollendung präsentieren sie uns einen der großen Meilensteine komplexer Themenverarbeitung des Hochbarock: die Fuge, deren musikalischer Grundstein bereits ein Jahrhundert zuvor durch Frescobaldis Recercar gelegt wurde. Auf den ersten Blick scheint das Zusammentreffen von übereinstimmender Harmonie geprägt zu sein; Emotionen, Spannungen und Überraschungen sind allerdings vorprogrammiert.
In einer gelungenen Synthese zwischen Alt und Neu stellt QNG Werke der alten Meister denen unserer Zeit gegenüber und das Unausgesprochene zwischen den beiden Persönlichkeiten scheint durch moderne Klänge mal subtil, mal impulsiv hörbar zu werden.